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Modul 1: Individueller Stress

Stress und seine negativen Folgen

Was ist Stress?

Stress wird heute als Ungleichgewicht zwischen Anforderungen an eine Person und den Bewltigungsmglichkeiten dieser Person verstanden. Stress bedeutet, dass sich die Person im Moment den Anforderungen, die an sie gestellt werden, nicht gewachsen fhlt. Diese Anforderungen knnen von aussen kommen. Es knnen aber auch eigene Anforderungen an sich selber sein.

Innere und
ussere Anforderungen

Bewltigungsmglichkeiten/
Ressourcen

 
Eine Anforderung von aussen kann beispielsweise der Chef sein, der verlangt, dass eine Arbeit pltzlich in drei Tagen fertig gestellt werden soll, obwohl man dachte, dass sie erst in zwei Wochen gebraucht werde. Der Druck und die Anforderung, diese Arbeit in kurzer Zeit erledigen zu mssen, und das Wissen darum, dass man dies alleine kaum zufrieden stellend schaffen wird, erzeugen die allen bekannten Gefhle von Stress.

Stress ist aber nicht nur durch ussere Faktoren bedingt. Er kann auch entstehen, wenn wir die Anforderungen an uns selbst zu hoch setzen. Im Sport beispielsweise (oder bei anderen Ttigkeiten) knnen wir uns immer grssere Leistungen abverlangen. Das kann sogar soweit gehen, dass wir uns Ziele setzten, die nicht erreicht werden knnen. Das erzeugt Druck und Stress. Um diesem Stress zu entkommen, wird das Training wieder aufgegeben. Die Erwartungen an uns selber waren schlicht zu hoch. Bei einem stress-reduzierenden Ausdauertraining sollte es daher nicht darum gehen, eine bestimmte Strecke in mglichst kurzer Zeit zu bewltigen, sondern diese Strecke zu geniessen, sich vom Alltag abzulenken und in der Natur neue Kraft und Energie zu tanken.

Eltern sind ebenfalls usseren und inneren Anforderungen ausgesetzt. Fr Kinder da zu sein und fr sie zu sorgen ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die fordert und zeitweise sehr anstrengend ist. Eltern setzen sich jedoch auch oft unter zustzlichen Stress, wenn sie sehr hohe Erwartungen an sich selber haben. Hohe Erwartungen zeigen sich in Einstellungen wie: "Ich muss immer fr die Kinder da sein!", "ich darf keine Schwche zeigen", "ich muss mehr Zeit mit den Kindern verbringen!", "alles muss perfekt sein!".

Ein zustzlicher Stressfaktor kann fr Eltern darin bestehen, dass sie zu hohe oder zu niedrige Erwartungen an die Kinder haben.

Ein Beispiel 

Der Vater erwartet von seinem Sohn, dass er sein Zimmer stets in Ordnung halten soll. Der Sohn  hat aber andere Interessen als Putzen und Aufrumen. Kurz vor den Schulferien bereitet sich der Sohn vielleicht noch auf die Abschlussexamen vor und verbringt viel Zeit in der Bibliothek oder er will einen Sportwettkampf gewinnen und ist mit dem Training beschftigt. Anstatt sich ber die Unordnung zu rgern, kann der Vater versuchen die Situation seines Sohnes zu verstehen und seine Erwartungen dadurch ndern. Er kann sich sagen, dass der Sohn fr den Moment tatschlich mit wichtigeren Dingen beschftigt ist und dass das Aufrumen des Zimmers noch eine gewisse Zeit warten kann. Oder er sagt sich, dass der Sohn und nicht er selbst in diesem unordentlichen Zimmer hausen und seine Sachen finden muss.  

 
Welche Folgen kann Stress haben?

Wenn wir unter Stress stehen, sind wir gereizter und reagieren schneller genervt, aggressiv und feindselig. Der eigene Stress wird deshalb leicht auch auf andere Personen bertragen. Wenn ein Familienmitglied unter grossem Stress steht, hat dies demnach hufig auch Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder. Wenn der Vater nach einem stressvollen Arbeitstag nach Hause kommt und gereizt auf das noch immer unordentliche Zimmer des Sohnes reagiert, trgt dies wenig dazu bei, diesen Streitpunkt auf eine sinnvolle Art und Weise zu lsen. Im Gegenteil: es ist mglich, dass aus einer Kleinigkeit ein Konflikt entsteht, der vermeidbar gewesen wre.

Stress kann negative krperliche Auswirkungen haben. Whrend ein gewisses Mass an Stress dem Krper erst richtig Energie verleiht (Eustress), kann lang andauernder und/oder sehr starker Stress zu verschiedenen krperlichen Schden fhren (Distress). Kopfschmerzen, Schlafstrungen oder Darmbeschwerden sind nur drei Beispiele. Stress beeintrchtigt ausserdem das allgemeine Wohlbefinden. Er kann zu depressiven Verstimmungen, Unzufriedenheit, ngsten und zu einem Burn-Out Syndrom fhren. Bei einem Burn-Out Syndrom fhlt man sich auf einmal auch einfachen Aufgaben nicht mehr gewachsen, man ist mde und energielos, das Interesse an der Arbeit geht verloren und man sieht im eigenen Handeln keinen Sinn mehr.

 

Fazit

Stress wirkt sich kurz und langfristig negativ auf unseren Krper, unser psychisches Wohlbefinden und auf das Familienklima aus. Es ist deshalb usserst wichtig, dass wir lernen, Stress vorzubeugen oder ihn auf ein "gesundes" Mass zu reduzieren.


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2003, 2006 by Yves Hnggi, University of Fribourg, Switzerland. nach oben


 

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